Kinder als MysteryShopper = “Völliger Blödsinn” ? - UPDATE

Samstag, 13. Oktober 2007 11:31 | Autor: Dominik Schuster (Webmaster)


Heute mal etwas Politisches: Laut FTD gibt es einen Gesetzesentwurf aus dem Familienministerium, wonach Kinder in Zukunft als “verdeckte Ermittler” eingesetzt werden sollen, um gegen den illegalen Verkauf von Schnaps, Zigaretten und Gewaltfilmen an Minderjährige einzudämmen.

Im Gesetzesentwurf heißt es im Wortlaut:

Mich erinnert der Vorschlag doch sehr an MysteryShopping. Dieses Prinzip der “verdeckten Einkäufe” ist seit einiger Zeit auch in Deutschland recht beliebt, um die Servicequalität von Geschäften zu testen. Auch auf Testpiloten.info stellen wir im Bereich Produkttests manche Anbieter vor, bei denen man sich als sog. MysteryShopper bewerben kann.

Was steckt dahinter?
Go1.at erklärt den Begriff MysteryShopping gut: “Unter Mystery Shopping versteht man den systematischen Einsatz von speziell geschulten Personen, die im Auftrag eines Unternehmens als Testkunden auftreten und reale Kaufsituationen durchspielen. Diese werden im Anschluss anhand eines Fragebogens bewertet und analysiert.” In den USA werden laut Go1.at bereits 95% der Geschäfte mit MysteryShoppern getestet. Eine hohe Zahl - Deutschland hinkt da noch weit hinterher …

Ich finde das Prinzip des MysteryShopping sehr interessant: Auch ich hatte bereits Einsätze als “verdeckter Ermittler”. Ich denke, dass das eine gute Möglichkeit ist Schwachstellen im Servicebereich von Geschäften aufzudecken.

Und nun also auch Kinder. Ich finde die Idee nicht schlecht, wenn sie mir auch ein Beleg dafür zu sein scheint, dass man bisher wenig erfolgreich war mit der Bekämpfung der illegalen Herausgabe von Hochprozentigem, Zigaretten und Gewaltfilmen an Kindern. Wenn herkömmliche Methoden nicht mehr greifen, muss man eben zu anderen Mitteln greifen.

Wenn die Kinder, die zu Testkäufern eingesetzt werden, intensiv pädagogisch betreut und für ihren Einsatz geschult werden, sehe ich an dem Vorschlag nichts Verwerfliches.

Trotzdem: Der Vorschlag ist stark umstritten, v.a. aus der SPD hört man, dass das Ganze “völliger Blödsinn” sei und der “Spitzeleinsatz von Kindern” an “Kindesmissbrauch” grenze (Karl Lauterbach). Wie in letzter Zeit zunehmend üblich (nur ein Beispiel: Kurt Beck: “So einen Scheiß lasse ich mir nicht mehr bieten”), werden also gleich wieder schwere Geschütze aufgefahren und starke Wörter verwendet, die auf jeden Fall ein Mindestmaß an Beachtung in den Medien garantieren. MysteryShopping für Kinder wird nun also bereits als “Kindesmissbrauch” deklariert. Aus meiner Sicht sollte man etwas vorsichtiger mit derartigen Anschuldigungen sein …

Ein interessantes Thema. Wer darüber diskutieren will: Gerne hier im Blog oder aber im Spiegel.de Forum.


Update 16.10.2007

Der Vorschlag ist inzwischen vom Tisch: Mich hat es gewundert, dass sich überhaupt so viele darüber aufgeregt haben und die Presse so intensiv berichtet hat. Ist das Sommerloch nicht schon vorbei, wo solche Themen gerne mal eine Hauptrolle spielen?

Thema vom Tisch - Zeit für Häme, z.B. bei SPIEGEL SPAM:


Uwe Becker (Foto: DPA)


Datum: Samstag, 13. Oktober 2007 11:31
Themengebiet: Politik, Story, Unterhaltung Trackback: Trackback-URL
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