Proviquest.de: Was ist eine bezahlte Abstimmung? - Interpretationsansätze

Freitag, 23. November 2007 0:02 | Autor: Dominik Schuster (Webmaster)


Anfang Oktober 2007 gab es mal wieder eine Revolution im Internet: Der Anbieter Proviquest nahm den Betrieb auf und startete einen angeblich völlig neuartigen und innovativen Onlinemarketing-Dienst, der “ProviQuest Anbieter und Interessenten auf revolutionäre Art und Weise im Branding zusammen” bringen soll. Das Prinzip ist einfach: Wer sich anmeldet, kann an Abstimmungen teilnehmen, für deren Beantwortung er Geld bekommt. Unternehmen können diese Abstimmungen bei Proviquest buchen und damit Marktforschung für ihr Produkt betreiben. Soviel die Theorie. Der Praxistest spricht eine ganz andere Sprache …

Es hört sich ja in der Theorie nicht einmal schlecht an, das Prinzip von Proviquest.de: Man meldet sich kostenlos an und findet nach der Anmeldung in seinem Kontobereich verschiedene Abstimmungen, an denen man sofort teilnehmen kann. Für jede erfolgreiche Teilnahme erhält man Geld, das man sich dann auszahlen lassen kann. Nettes System - aber nicht neu: Abstimmungen gehören gerade in Zeiten des Web 2.0, des Mit-mach-Internets, zur Tagesordnung - kaum eine Internetseite bietet keine kleinen Abstimmungen oder Userbefragungen an.

Der große Unterschied …
Der Unterschied bei Proviquest.de ist freilich, dass hier die ganze Seite nur aus Abstimmungen besteht und - für viele wohl der größte Unterschied: Dass es hier Geld für jede erfolgreiche Teilnahme an einer Abstimmung gibt. Das ist sicherlich etwas besonderes, aber: Die Idee ist weder - wie auf der Homepage angegeben - neu noch revolutionär. Im Internet gibt es einige Anbieter, die genau denselben Service anbieten. Ich kann mich spontan z.B. an den Service Moneyvote.de errinnern, der bereits im Jahr 2002 Geld für Abstimmungen anbot. Der Service ist inzwischen offline - es gibt aber noch bei Ciao.com Testberichte zu Moneyvote.de, die zeigen: Proviquest.de hat seinen Service nicht neu erfunden, sondern das System wurde schon vor Jahren benutzt. Auch wenn der Anbieter das auf seiner Homepage immer wieder angibt.

Das ist aber nicht die einzige Unstimmigkeit, die mir bei Proviquest.de auffällt - und nicht die größte. Etwas anderes ist viel schlimmer: Der Service funktioniert nicht so, wie es angegeben ist. Es geht hier nämlich aus meiner Sicht überhaupt nicht um Abstimmungen, sondern um die Provisionierung für “Aktionen” im Internet.

Was bedeutet das?
Wenn man sich die Liste mit den aktuellen “Abstimmungen” ansieht, wird schnell klar, was ich meine. Wenn ich mich nicht verschaut habe, gibt es derzeit ausschließlich sog. Anmelde-Quests. Das sind Abstimmungen, bei denen ich eine Aktion durchführen muss, damit ich die Vergütung bekomme. Die stattliche Liste mit mind. 40 Angeboten besteht aus Gewinnspielen, an denen ich teilnehmen kann, aus Verträgen, die ich abschließen kann, oder Services, bei denen ich mich anmelden kann. Ich klicke also einen solchen Quest an, erfahre dann, was ich tun muss, klicke auf den Link zur Partnerseite und führe dort die entsprechende Aktion durch. Um dann die Vergütung bei Proviquest.de zu erhalten, muss ich einen Text eingeben bzw. etwas auswählen, was ich nur weiß, wenn ich die Aktion richtig durchgeführt habe.

Hört sich gut an, wenn ich z.B. für die kostenlose Teilnahme an Gewinnspielen eine Vergütung bekomme - aber ein Blick in die Vergütungstabelle macht schnell klar, dass in Wahrheit nicht ich als Teilnehmer hier wirklich verdiene, sondern der Anbieter Proviquest.de den größten Teil der Provision einstreicht.

Ein paar Beispiele aktueller Quests machen das schnell deutlich:

  • Man kann z.B. einen Vertrag beim Handydiscounter Klarmobil.de abschließen und erhält dafür bei Proviquest.de eine Provision in Höhe von 3 Euro, wenn man die richtige Antwort auswählt. Proviquest.de erhält für jeden vermittelten Kunden bei Klarmobil.de mindestens 15 Euro (!), z.B. über das Partnernetzwerk Vitrado.de.
  • Oder das Gewinnspiel “Gewinnspot.de”: Wenn ich hierbei über Proviquest.de teilnehme, erhalte ich eine Provision in Höhe von 0,30 Euro. Proviquest.de streicht für jeden Gewinnspielteilnehmer eine Provision von 1 Euro ein, z.B. über das entsprechende Partnerprogramm bei Adbutler.de.
  • Oder Kingolotto.de: Proviquest.de erhält für jeden Teilnehmer über das Partnerprogramm des Anbieters bei Affili.net eine Provision in Höhe von 1,20 Euro und schüttet davon 0,30 Euro an die Teilnehmer der Abstimmung bei Proviquest.de aus.
  • Fragwürdige “Abstimmungen” …
    Also eine fragwürdige Praxis, bei der es mitnichten um Marktforschung geht, sondern um den Verkauf von Produkten. Und gerade dieses System ist nebenbei überhaupt nicht neu, sondern so gut wie bei jedem Paidmail-Anbieter im Einsatz als sog. Bonusaktion (empfehlenswerte Anbieter u.a. in dieser Liste mit Anbieter von bezahlten eMails).

    Defakto rentiert sich die Teilnahme bei Proviquest.de also für mich als Teilnehmer wenig - für den Anbieter dagegen schon. Zur “Ehrenrettung” muss man vielleicht anmerken, dass sich die niedrige Provision, die Proviquest.de an die Teilnehmer der Abstimmungen ausschüttet, auch so erklären lässt, dass dadurch der “Betrug” vieler Mitglieder wieder gut gemacht werden darf: Viele nehmen nämlich gar nicht an den Aktionen teil, versuchen aber ihr Glück trotzdem bei den Abstimmungen. Wer Glück hat und die richtige Anwort auswählt, bekommt Geld für eine Abstimmung, auch wenn er an der eigentlichen Aktion gar nicht teilgenommen hat. Er kann sich freuen - Proviquest.de erhält dann aber keine Provision und muss die Provision für den Teilnehmer aus eigener Tasche zahlen. 2 Versuche hat man je “Abstimmung”. Die Zahlen zeigen deutlich, wie viele ihr Glück versuchen, um ans Geld zu kommen, ein paar Beispiele aus dem aktuellen Questkatalog:

    Nun möchte ich Proviquest.de gar nicht unterstellen, dass das System von Anfang an so gedacht war. In den ersten Tagen von Proviquest.de gab es tatsächlich echte Abstimmungen: Man musste eine Seite besuchen und dann diverse Fragen dazu beantworten. Ohne Anmeldung, ohne Aktion. Ich habe an ein paar dieser echten Abstimmungen teilgenommen - z.B. auch bei speicherzentrum.de. Ein Blick ins Impressum verrät: Speicherzentrum wird vom selben Anbieter wie Proviquest.de betrieben …

    Fazit: Aus meiner Sicht ist das Prinzip von Proviquest.de nicht schlecht, wenn auch weder neu noch sonderlich innovativ. Solange es nur Anmeldequests gibt, rentiert sich das System aus meiner Sicht überhaupt nicht für die Mitglieder. Proviquest.de verdient dagegen sicherlich sehr gutes Geld mit dem Service … Ich kann mich jedenfalls den Lobeshymnen verschiedener Blogger zu Proviquest.de (z.b. hier, hier oder hier), da stimme ich schon eher freie-meinung.org zu, wenn Proviquest.de aus meiner Sicht auch nicht als “Abzocke” bezeichnet werden kann …


    Datum: Freitag, 23. November 2007 0:02
    Themengebiet: Erfahrungsberichte, Neue Anbieter Trackback: Trackback-URL
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    4 Kommentare

    1. 1

      Schönen guten Tag,

      dieses Vergütungssystem kenne ich von einigen doch recht erfolgreichen Betreibern der Paidmailszene.
      Dort nennt man das Ganze dann: Bonusaktionen, womit man als User die Möglichkeit hat weitaus schneller die entsprechende Auszahlungsgrenze zu erreichen.
      Da ja jeder selber entscheiden kann an welchen Gewinnspielen ect. man teilnehmen möchte, spricht ja nichts gegen dieses System.

      Und solange der anbietende Dienst sich als seriös erweist und die User ausgezahlt werden, finde ich das Angebot in Ordnung.

      Mit netten Grüssen,

      Gabriele

    2. 2

      [...] Ich frage mich trotzdem: Warum sollte man hier teilnehmen? Mir fällt nur ein Grund ein: Aus Langeweile. Auf derselben Idee wie Netvoting.com baut übrigens auch Proviquest.de auf: Hier kann man nach der Anmeldung auch an Abstimmungen teilnehmen. Für jede Abstimmung gibts hier Geld - dafür kann man aber auch keine eigenen Abstimmungen einstellen. Doch eines verbindet Proviquest.de und Netvoting.com: Auch diesen Dienst halte ich für fragwürdig - allerdings aus anderen Gründen wie Netvoting.com, nachzulesen bei Blog.Testpiloten.info. [...]

    3. 3

      Hallo,

      ich habe da bei diversen Anmeldequests teilgenommen, auf die Gutschriften warte ich noch heute. In meinen Augen dauert die Gutschrift zu lange.

      Alithos

    4. 4

      [...] negativ fiel auch unser Proviquest-Testbericht aus. Mein Fazit war vernichtend: Fazit: Aus meiner Sicht ist das Prinzip von Proviquest.de nicht [...]

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    Linktipps: www.1&1.de